14. Juli 2010: “Abschiedsworte müssen kurz sein, wie eine Liebeserklärung”


Auch heute erkundeten wir Johannesburg.

Wir besichtigten das herausragende Apartheid-Museum, fuhren anschließend zum Carlton Center, dem höchsten Gebäude Afrikas. Vom Aussichtspunkt “Top of Africa” (50.Stock) hatten wir die beste Sicht über die Metropole. Zudem fuhren wir durch das “wahre” Zentrum Johannesburgs, das Zentrum, in dem es keine Weißen gibt und in dem man das Auto aus Sicherheitsgründen nicht verlassen sollte. Dennoch bin ich sehr froh, dort gewesen zu sein. Denn wie gestern schon angedeutet- die neu gebauten Konsum-Zentren vermitteln mir kein Gefühl für die Stadt, das wahre Johannesburg.

Anschließend ging es ins Montecasino. Morgens beim Frühstück lernten wir niederländische und italienische Journalisten kennen, die auch in unserer Lodge untergebracht waren und unser Schicksal teilten: Wochenlang in Südafrika “stationiert”- aber was tut man bloß in Johannesburg? Und Montecasino war der heiße Tipp eines Journalisten von Sky Italia. Jetzt weiß ich auch warum… und ihr erfahrt es im Video.

Apropos Video: Es ist mein Abschiedsvideo. Morgen fahren wir nach Pilanesberg, in ein Game Reserve. Dort sind die Big Five nicht nur vertreten, sondern zeigen sich (angeblich, hoffentlich) auch sicher, so dass ich morgen viele Tiere sehen werde. Übermorgen abend geht es dann zurück ins, wie ich gehört habe, sehr heiße Deutschland.

Dennoch denke ich, dass es jetzt, ein paar Tage nach dem Finale, ein guter Zeitpunkt ist, um aufzuhören. Die meisten Fans sind abgereist, der WM-Sieger ist gebührend bejubelt und das Aus der Deutschen einigermaßen verkraftet (heute sprachen uns übrigens wieder einige Leute an, die immer noch nicht fassen können, dass wir den Titel nicht geholt haben…).

Meine Aufgabe ist getan.

“Abschiedsworte müssen kurz sein, wie eine Liebeserklärung” hat Theodor Fontane mal gesagt. Meine Abschiedsworte sind zugleich eine Liebeserklärung. An den Fußball und an Südafrika.

Danke und vor allen Dingen- bis bald.

Eure SonyEricsson Fanreporterin
Anuscha

 

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13. Juli 2010: Mein Südafrika von A-Z

Drei Wochen Südafrika sind eine lange Zeit, eine Zeit, in der man viel über das Land erfährt, viele Dinge anfängt zu mögen oder sich über Dinge zu ärgern. Eine kleine Zusammenfassung dessen, was den Aufenhalt hier prägt, findet ihr in meinem ganz eigenen Südafrika-Alphabet:

Ayoba- umgangssprachlicher Ausdruck der Begeisterung. Ayoba, Ayoba, Ayoba- jeder sagt, nein ruft es hier ständig, mit einer ganz beschwingten Betonung. Zu Recht. Weil hier wirklich alle begeistert sind. AYOBA!

Black Cab- die Minibustaxen, die von schwarzen Südafrikanern gefahren werden, sind DAS Transportmittel schlechthin. Eine Fahrt ist allerdings ein Abenteuer: Die Minibusse sind mehr als vollbesetzt, die Fahrer heizen mit maximaler Geschwindigkeit, gebremst wird überraschend und abrupt- wenn überhaupt.

Campeónes- spanisch für Champions, ganz laut gesungen von den Fans der Spanier, der Argentinier und der Uruguayer. Recht behalten haben am Ende nur die spanischen Anhänger. Ein richtiger Ohrwurm.

Discount- “I’ll give you a discount”- heißt so viel wie: “Ich gebe dir Rabatt”. Preise jeglicher Waren sind hier eigentlich nichts als Makulatur. Die Händler geben ohnehin einen “Discount” und der letztendliche Preis hat oft rein gar nichts mehr mit dem ausgezeichneten Preis zu tun. Aber Achtung: Manche Händler sind so verzweifelt, dass man so weit handeln kann, dass sie ihre Sachen unter Wert verkaufen. Ausbeuten sollte hier niemanden, zumal alle Preise für uns ohnehin recht niedrig sind.

Entfernung- Ach, der Pub ist nur drei Minuten von hier entfernt. Dieses Versprechen entpuppte sich allerhöchstens als guter Witz. Denn zum Einen sind hier immer Autofahrtminuten und NIE Minuten zu Fuß gemeint, zum Anderen waren es auch mit dem Auto gute zehn Minuten. Südafrikaner stören sich nicht an Entfernungen, sie empfinden sie auch gar nicht als solche, was auch der Satz unserer letzten B&B-Besitzerin beweist: “WIr sind total zentral gelegen. Bis zur Soccer City sind es nur 15 Kilometer und auch nach Sandton fährt man nur eine halbe Stunde.”

Fahnen und Flaggen- überall hängen sie. Ob an privaten Häusern, an Restaurants, an Hotels, an Laternenpfosten, einfach überall. Ein Fahnenmeer in Südafrika. Dabei hängen sogar die Flaggen einiger Länder, die sich gar nicht für die WM qualifiziert hatten. Aber wen störts. Bunt muss es sein.
Geduld- Grundvoraussetzung, um den Aufenthalt hier genießen zu können. Einerseits, weil sich die Menschen hier mit allem Zeit lassen, andererseits weil die Menschen hier einfach anders denken. Total kompliziert und oft nicht zielorientiert- sie verstehen uns einfach nicht. Wie sagte eine genervte Bekannte letztens: “Südafrika ist das Land der Nicht-Checker”.

How are you?- Dieser Satz geht jeder Konversation voraus. Wirklich jeder. Manchmal sagen ihn sogar Menschen, die einfach auf der Straße an einem vorbei gehen. Es muss eine Antwort, sowie die Gegenfrage folgen, ehe man zum Kern des Gesprächs kommt. Soviel Zeit muss hier- na klar- sein.

Instructions, Anweisungen. Werden hier zwar von Polizisten, Volunteers, Stewards und sonstigen Autoritäten gegeben, sind aber wertlos. Denn hier hat niemand eine Ahnung, wo was ist, wo es woher geht, was man darf, was man nicht darf, wann man wo sein muss oder ähnliches. Es gibt hier einfach gar niemanden, auf den man sich verlassen kann. Außer auf sich selbst.

Just now- heißt soviel wie: “In etwa einer Stunde- oder so oder vielleicht auch gar nicht”. Variation: now now- steht auch keineswegs für ein nachdrückliches “jetzt” sondern eben vielmehr für eine absolut unbestimmte Zeitangabe. Man verabredet sich hier auch nicht für eine gewisse Uhrzeit, denn ob eine Stunde früher oder später…- wer könnte das schon so genau planen.

Khedira- Thorsten hatte schon vor dem Englandspiel so ein Gefühl. Khedira sagte er, Khedria würde irgendwie den Ausschlag geben. Doch nichts passierte. Gegen Argentinien- wieder nichts. Doch dann. Thorsten (alias Paul?) hatte Recht. Gegen Spanien verlor Khedira den entscheidenden Zweikampf der zum Gegentor führte, gegen Uruguay gelang ihm das Siegtor.

Linksverkehr- zu Fuß ein größeres Problem als im Auto. Denn irgendwie verliert man beim Überqueren der Straßen ganz schön die Orientierung, woher die Autos denn jetzt kommen. Man schaut einfach grundsätzlich in die falsche Richtung. Doppelt fatal, da die Autofahrer hier nicht für Fußgänger (auch nicht für sonst irgendwen oder irgendetwas) bremsen.

Mitleid- davon bekommt man als Deutscher viel zu viel. Es ist wirklich nett gemeint, aber Mitleid ist bekanntlich das Letzte, was man möchte. Lieber hätte man sich Neid erarbeitet, als das Mitleid geschenkt zu bekommen. Das Halbfinal-Aus hat uns wirklich niemand gegönnt. Das ist toll! Aber ständig daran erinnert zu werden und dann noch auf so eine mitfühlende Art und Weise- nein, bitte nicht!

Navigationssystem- ohne gehts nicht, mit verrückterweise aber auch nicht sonderlich gut. Unser Navigationssystem war auf Englisch eingestellt, sprach aber dennoch irgendeine Mischung aus Niederländisch, Englisch, Deutsch (…). Nach einigen Tagen haben wir uns einigermaßen an Simons Ausdrucksweise gewöhnt: “Biegen ze rekts in”. “Feren ze in den leberkauer”. “in drihundert metern feren ze greydaus.”

Open Happiness- Coca Colas Werbeslogan für die FIFA WM 2010. Und Coca Cola hat hier die absolute Macht. Überall sind Werbeaktionen, überall hängen Banner, manche Wände sind sogar ganz im Coca-Cola-Style gestrichen. Das Gute daran: Es hat uns den Song “Wavin Flag” gebracht und dieser Song bringt wirklich “Open Happiness”!

Parkwächter- eine wahnsinnige Spezies. Überall sind sie und hoffen auf Trinkgeld. Ganz getreu dem Motto: “Danke für Nichts.” Denn sie stehen teilweise an vollkommen leeren Parkplätzen, winken aber total hektisch, um einen einzuweisen. Naja- wenn nebeneinander vier oder fünf freie Parkplätze sind, dann kann ja sogar ich ohne Hilfe ein- und ausparken! Aber nein, der Parkplatzwächter geht lieber auf Nummer sicher und dirigiert einen sicher aus der Parklücke heraus. Auch wenn man das einzige Auto auf dem Parkplatz ist. Noch lustiger wird es übrigens, wenn drei, vier oder fünf Parkwächter am Werk sind. SIe stürzen sich von jeder Seite an das Auto heran und fuchteln herum, als gehe es um Leben oder Tod.

Qual- und zwar die Qual der Wahl. Ob auf Märkten, in Shopping Malls oder Straßenständen, überall kann man afrikanisches Kunst- und Handwerk kaufen. Von Schmuck (da gilt die Qual der Wahl für mich besonders) bis hin zu Dekoartikeln, Schnitzereien, Bildern, Vasen, Schalen… die Auswahl ist einfach nur riesig. Besonders die Kunst, Dinge mit Perlen zu verzieren oder sie gar aus Perlen und Draht herzustellen ist typisch, beeindruckend und wunderschön.

Robot- südafrikanischer Ausdruck für Ampel. Und davon gibt es verdammt viele, alle hundert Meter mindestens eine. Eine Grüne Welle kennt man hier aber natürlich nicht… Interessant für uns: Die Ampel steht zumeist HINTER der Kreuzung, nicht davor. Man muss sich also erstmal orientieren, welche Ampel für einen gilt. Zudem ist die Grünphase auf einige Sekunden beschränkt, Rot leuchtet hingegen minutenlang. Eine mögliche Erklärung, die wir öfters gehört haben: Die Südafrikaner fahren ohnehin auch noch bei Rot. Also macht man die Ampel lieber schneller auf rot, da sonst die Autos gar nicht zum Halten kommen.

Sturrheit- am Ende musst du einfach machen, was du willst. Bei aller Liebe zu den Menschen hier- die Denkweise ist eben eine von uns deutlich unterschiedliche. Diskutieren ist nicht ergiebig, weil die Leute nicht disktuieren können, zumindest nicht so, wie wir es gern hätten. Sie sagen ihre Meinung und beharren darauf. Aus Respekt muss man dennoch versuchen, einen Kompromis zu finden. Aber nicht zu lange. Am Ende muss man genauso stur sein und einfach machen, was man von vornherein vor hatte.

Tschööörmanie- so wird einem hinterher gerufen, wenn man sich als Deutsche zu erkennen gibt. Teilweise wird man so angesprochen, quasi als Namensersatz. Zurzeit ein absolutes Kompliment, die Menschen halten sehr viel von diesem Land namens “Tschööörmanie”. Die Aussprache ist einfach köstlich und die Begeisterung mit welcher die Menschen es sagen, ist noch besser.

Umgang- wie schon unter “how are you” erklärt, spielt der Umgang miteinander eine große Rolle, man ist hier nett, ganz gleich, wie genervt man ist (na gut, das gelingt uns nicht immer, aber wir versuchen unser Bestes, auch im Stress). DAS Wort daher: Pleasure. Heißt in etwa soviel wie: “Mit Vernügen”. “Pleasure” wird auf jedes “Thank You” erwidert. Und immer hat man das Gefühl, dass die lächelnden Menschen diese Worte nicht nur als Floskel nutzen, sondern wirklich so meinen. Bewundernswert.

V ibe- eines DER Wörter in Südafrika. Stimmung, Atmosphäre, Feeling- das gewisse Etwas eben, das nennt man hier “Vibe”. Und den kann man nicht beschreiben, aber dafür überall fühlen.

Waka Waka- überall wird er gesungen und vor allem getanzt, der Shakira-Hit. Dieser Song ist ein ständiger Begleiter und Ausdruck der Begeisterung. Sobald “Waka Waka” ertönt, hält das Leben an. Man wippt mit, man tanzt, man singt, alle zusammen. Absoluter Stimmungsmacher.

Xhosa- eine der insgesamt 11 offziellen Sprachen Südafrikas. Das hat zur Folge, dass unser Englisch so manches Mal besser oder jedenfalls verständlicher ist, als das mancher Südafrikaner, was die Kommunikation wirklich erschweren kann.

Yes- wird hier auch von englischsprachigen Südafrikanern ausgesprochen wie eine Mischung aus “Jaa” und “Joo”. Das lange “a” wird ganz hinten im Hals produziert und wird tief ausgesprochen. Sehr auffällig, sehr charakteristisch und lustig zum Nachahmen auf langen Autofahrten.

Zeit- ein Schlüsselbegriff. Wie schon einige Male angerissen: Zeitvorgaben, Zeitdruck- alles Fremdwörter für Südafrikaner. Das stört uns oft, das bereitet uns oft Probleme, Ärger und Stress. Aber es hat auch etwas positives. Die Südafrikaner wissen Zeit nämlich sehr zu schätzen und vor allem zu nutzen. Nicht so zu nutzen, wie wir sie nutzen würden. Aber vielleicht nutzen sie sie sogar wertvoller. Sie nehmen sich Zeit für alles, was sie glücklich macht. . Die Zeit schränkt einen nicht ein, sie macht keine Vorgaben; Zeit verstreicht einfach, aber ohne Konsequenz. Einige Male konnten wir dieses südafrikanische Zeitverständnis annehmen- und haben es sehr genossen.

 

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13. Juli 2010: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Johannesburg ist die Stadt des Goldes.Goldminen, die man besichtigen kann, erinnern noch heute daran. Was aber ist Johannesburg sonst? Es gibt Soccer City, es gibt den Ellis Park. Und sonst?

In jedem Fall zahlreiche Gebiete, von denen man uns strengstens abrät. Also machten wir uns heute auf nach Sandton, einen definitiv sicheren, modernen Stadtteil. Das dachten sich wohl auch alle anderen WM-Besucher, die noch nicht abgeflogen sind. Ob Spanier, Brasilianer, Argentinier, Niederländer- alle schlenderten sie durch Sandton City, eines der riesigen Shoppingcenter in Sandton. Dort gibt es quasi nichts, was es nichts gibt, ein regelrechtes Freizeit- und Shoppingparadies.

Und trotzdem konnte Sandton uns nicht begeistern. Vielleicht ist man als Europäer einfach anderes gewohnt und mit zuviel Modernität überfordert. Aber all die hohen Häuser, die Beleuchtung, die Größe- alles vermittelte das Gefühl von Kälte. Alle Gebäude des Stadtteils waren ganz neu, keines hatte eine Geschichte. Gleiches im Shopping-Mall: Hauptsache groß, nie persönlich.

Und dann musste man abends ja auch wieder zurück, von Sandton nach Alberton, wo wir untergebracht sind. Eine knappe Stunde waren wir unterwegs, blind dem Navi folgend, ohne Orientierung. Highways über Highways, unendliche Flächen, ein großes Nichts.

Der Zustand der Straßen ist häufig schlecht, zudem sind die zum Teil sechsspurigen Autobahnen nicht immer beleuchtet. Aber wir schlagen uns wacker und werden, da habe ich keinen Zweifel, zum Ende unserer Reise auch noch mit Johannesburg fertig, zumal es hier auch schöne und sehenswerte Dinge gibt.

Alles in allem hält die Goldgräberstadt für uns wohl aber nicht allzu viele weitere Schätze bereit.

 

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12. Juli 2010: Final-Blog XXL

Als mein Sony-Ericsson-Vivaz klingelte, um mich morgens zu wecken, schaute ich auf das Display und erschrak: 8.00h- 11.07.2010. Das Datum- seit Monaten war dieses Datum Synonym für den Tag, auf den alle Fußballfans vier Jahre lang gewartet haben. Und nun brach dieser 11. Juli, dieser Finaltag, an.
Dass der Tag so gut verlief, haben wir auch Khaya Media zu verdanken. Khaya Media, die Journalisten aus aller Welt bei der Organisation des Südafrika-Aufenthalts unterstützen, organisierten nicht nur ein Finalticket für mich. Sie sorgten auch dafür, dass wir sicher und rechtzeitig zum Stadion kamen. Angesichts der Tatsache, dass wir sehr weit außerhalb wohnen und Transport hier eigentlich nicht existiert (dazu später mehr…) war das einfach unschätzbar hilfreich für uns. Danke euch, liebe Khaya-Leute!

Bewegende Momente
Und dann ging es los. Soccer City erstrahlte im Sonnenuntergang. Man spürte, dass das, was an diesem Abend geschehen würde, außerordentlich sein würde. WM-Finale eben. Die ganze Welt schaute an diesem Abend auf diesen grünen Rasen. Die Fans beider Mannschaften waren dementsprechend aufgeregt.

Während mir viele holländische Fans erklärten, dass sie sich ein Finale gegen Deutschland gewünscht hätten, befanden die Spanier eher, dass Deutschland ja schon drei WM-Titel habe. Jetzt sei mal wer anders dran. Naja. Jedenfalls waren die Fans mit ihren Gedanken längst beim Spiel.

Die anderen Zuschauer, die eben nicht aus Holland oder Spanien kamen, hatten mehr Ruhe, um die grandiose Abschlusszeremonie zu genießen. Was die Südafrikaner da gezaubert hatten, war wundervoll und so passend- die Farben, das Licht, alles spiegelte die WM wirklich so wider, wie sie war. Die beiden emotionalen Höhepunkte dieser Feier waren schnell ausgemacht: Zum Einen war da Shakiras Auftritt.

Waka Waka- wie oft wir diesen Song gehört hatten! Überall, bei jeder Gelegenheit schallt er durch die Straßen. Und gestern abend dann ein letztes Mal durch Soccer City. 84000 Menschen standen auf und tanzten jubelnd mit. Waka Waka riss alle von den Sitzen. Ob jung oder alt, ob einander fremd oder nicht- all das spielte keine Rolle. Man tanzte in den engen Sitzreihen so gut man nur irgendwie konnte.

Schließlich wurde die Zeremonie für beendet erklärt. Als plötzlich der zweite Höhepunkt folgte. Nelson Mandela wurde über den Rasen gefahren. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich hier erlebt habe. Menschen um mich herum fingen an zu weinen, andere jubelten, winkten, tröteten in ihre Vuvuzelas. Dass Mandela gekommen war und sich allen zeigte, war für die Menschen ein Geschenk, dass nicht hätte größer ausfallen können. Man kann es schlecht beschreiben, aber man hat einfach gefühlt, wie unendlich wichtig dieser großartige Mann für jeden Südafrikaner ist.

Tränen der Sieger, Tränen der Verlierer
Aber dann sollte es schließlich endgültig losgehen. Das Spiel wurde angepfiffen und die Atmosphäre überwältigte glaube ich alle. Es waren keine besonders lauten Gesänge oder ähnliches, dass das Spiel so besonders machte. Es war glaube ich viel mehr das Bewusstsein, dass es das WM-Finale ist, dass jeden bewegte.

Die holländischen Fans waren ganz deutlich in der Überzahl, sie stimmten Sprechchöre an und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Es hat nichts genutzt. Nach 120 Minuten stand der neue Weltmeister fest. In den Gesichtern der holländischen Fans stand die Enttäuschung geschrieben und ich fühlte mit ihnen mit. Untröstlich waren sie, verständlich. Dennoch- die folgenden Bilder live zu sehen, war einfach klasse. Die Spanier, wie sie über den Platz tobten, die spanischen Fans, wie sie auf den Rängen ihr Glück kaum fassen konnten. Auf der Tribüne, auf der ich gesessen habe, wurde dann der Pokal übergeben, der Goldregen kam über uns allen herab. Es waren einmalige Eindrücke.

Ich glaube, ich kann das gar nicht so wiedergeben, wie es war- auch nicht durch noch mehr Worte, Bilder oder Videos. Aber ich habe wirklich jede Sekunde dieses Abends in meinem Herzen, weil es einfach so wundervoll war.

64 Spiele wurden einen Monat lang ausgetragen, um ihn zu finden, diesen Sieger. Spanien ist erstmals Weltmeister und das bei der ersten WM in Afrika. An diesem Abend wurde ein Stückchen Fußballgeschichte geschrieben und ich war dabei.

Lost in Soccer City
Schade nur, dass weder wir, noch die spanischen Fans, noch überhaupt jemand, diesen Abend so hätte zu Ende gehen lassen können, wie es eigentlich angemessen gewesen wäre. Solange man in SoccerCity drin ist, ist alles fantastisch. Doch dann heißt es nur: Weg von hier.

Rund um das Stadion ist nämlich- nichts. Keine einzige Fankneipe, kein Bierstand, kein Souvenirstand. Möglichkeiten, gemeinsam zu feiern, gemeinsam den Titel mit anderen den Titel zu bejubeln? Null.

Schlimmer noch: Man muss einfach zusehen, dass man es irgendwie schafft, so schnell es geht, vom Stadion wegzukommen. Denn die Infrastruktur rund um das großartige Stadion ist erbärmlich. DIe Transportmöglichkeiten sind spärlich gesäht und daher mehr als überlastet. Zudem gibt es einfach niemanden, der wirklich einen Überblick hat. Ganz gleich ob Volunteers oder sogar Polizisten- keiner kann einem den Weg weisen im Chaos, das natürlich von Minute zu Minute größer wird. Immer mehr Menschen brüllen wütend in ihre Handys, versuchen sich über ihren Standort klarzuwerden, rennen hektisch, plan- und ziellos durch die Gegend. Chaos- es gibt kein Wort, dass es besser beschreibt. EIn Chaos, aus dem man sich nur selbst befreien kann, denn wir gesagt- es gibt niemanden, wirklich niemanden, auf dessen Auskunft Verlass sein könnte. Stattdessen Ankündigungen wie: Ab 6.20h in der Früh fahren wieder Busse.

Glücklicherweise hatte unsere Unterkunft an diesem Abend einen Shuttle-Service. Doch wie gesagt- dieses Shuttle zu finden war fast unmöglich. Es klappte schließlich, nach über zwei Stunden, in denen wir einfach nur durch Gegend geirrt sind. Es war kalt, wir waren so müde, die Füße taten weh. Und doch. Es war ein fantastischer Abend. Es war das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft.

PS: Mein persönliches Finale steht erst noch bevor. Ich habe noch 4 Tage, ehe es zurück nach Deutschland geht. Auch wenn die WM vorbei ist und ich sicher nicht mehr auf sonderlich viele Fans stoßen werde- ich melde mich in den kommenden Tagen nochmal bei euch!


 

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12. Juli 2010: Ich bin dann mal weg…

Es ist der Tag meiner Abreise. Wenn ich einen schönen Urlaub erlebt habe, dann werde ich am Ende immer ein wenig melancholisch, schließlich ist ja alles vorbei. Jetzt habe ich zwei umwerfende Wochen erlebt mit fantastischen Fußballspielen, einer völlig neuen Kultur und vielen neuen Freunden. Ich bin echt traurig, jetzt schon wieder fliegen zu müssen.

In nur zwei Wochen, die so schnell an mir vorbei rannten wie Lionel Messi an seinen Gegenspielern, habe ich dermaßen viel erlebt, dass eine Aufzählung jeden Rahmen hier sprengen würde. Ich kann mich also glücklich schätzen und das bin ich auch. Es war wundervoll.

Karl-Heinz Rummenigge hätte zu dieser Zeit nur ein Gedicht geschrieben, für die Menschen, die das möglich gemacht haben: “Ich danke euch, ich danke euch, ich danke euch sehr, ich danke euch noch viel mehr. Ich danke euch, danke, danke.”

So ähnlich würde sich auch mein Gedicht anhören.

Weil ich jetzt nachher noch gefühlsduselig werde und euch vorweine wie schlimm es doch ist, dass ich jetzt gehen muss, mache ich an dieser Stelle Schluss, ein für alle Male.

Am Ende noch eine kleine Diashow mit bisher unveröffentlichten Bildern der letzten zwei Wochen, in denen ich bei der Arbeit mit dem Handy zu sehen bin, proletenhaft in die Kamera brülle, von Hans Meyer Anweisungen bekomme, um sie dann später im Fußballspiel umzusetzen, durch die Berge wandere und eigentlich immer, ja immer lache.

Brillianter Fußball + Interessante Kultur + Wundervolle Menschen + Gute Organisation + Einmaliges Land = Glücklicher SonyEricsson Fanreporter.

Danke. Tschüss. Ende aus. Ich bin raus. Cut. Out.

 

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11. Juli 2010: Die letzte Party

Vor jedem Spiel der deutschen Mannschaft lud unser Reiseveranstalter zur großen Party ein, in tollen Locations mit prominenten Gästen und gutem Essen. Das Spiel um Platz 3 bedeutete nun also die letzte Party in Südafrika.

Neben einem ganz wundervoll anzusehenden Spiel, in dem beide Mannschaften jegliche Defensive beiseite lagen und munter nach vorne spielten, kamen wir Fans noch einmal in den Genuss einer traditionellen afrikanischen Tanzgruppe. Wenn ich später einmal gefragt werde was genau sich denn von der afrikanischen Kultur am meisten bei mir eingeprägt hat, dann werde ich neben der ungemeinen Gastfreundschaft und den zahlreichen Townships wohl vor allen Dingen an diese Gruppen denken.

Neben diesen Tanzeinlagen wurde das Spiel von den Experten Hans Meyer, Mia Künzer oder Rainer Zobel analysiert. Die Vietentours-Partys sind jedenfalls auch ein Teil meines Aufenthaltes hier, weil wir vor jedem deutschen Spiel hier gut eingestimmt wurden. Am schönsten war die Party im Aquarium von Durban, wo eigens für unsere Gruppe Tische aufgestellt wurden.

Kultur und Fußball, Fußball und Kultur. Ja irgendwie ist das hier alles ein fließender Übergang.

Ich werde jedenfalls vieles vermissen, wenn ich zurück bin.

 

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10. Juli 2010: Gold Reef City

Als sei ein Helikopter-Flug nicht schon genug gegen den Frust der Niederlage, durfte ich heute auch noch einmal in einen Freizeitpark, der gleichzeitig als lebendiges Museum genutzt wird.

“Gold Reef City”, wie der Freizeitpark genannt wird, umschließt die ehemals größte Goldmiene Afrikas, die mittlerweile allerdings inaktiv ist und nur noch als Museum fungiert. Ich durfte natürlich die Miene von innen besichtigen und ich kann mir nicht vorstellen wie damals so viele Menschen unter diesen Verhältnissen gearbeitet haben können. Ich mit meinen 190 Zentimetern hatte schon nach 30 Minuten Rückenschmerzen vom Bücken.

Danach habe ich mich dann mit Achterbahnfahrten auf das Spiel um den dritten Platz vorbereitet. Manche trinken Bier vor dem Spiel, ich filme mich dagegen in einer Looping-Achterbahn.

Wer mein lustig verformtes Gesicht während der Fahrt sehen will, dem kann ich das Video nur empfehlen. Darin zeige ich auch wie Gold hergestellt wird, also falls ihr das auch noch wissen wollt, kann ja hilfreich sein.

Jedenfalls ist das mein vorletzter Tag in Südafrika. Vielleicht kette ich mich hier aber auch irgendwo an, damit ich nicht zurückfliegen muss. Ihr werdet dann von mir hören.

Bis bald ;)

 

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10. Juli 2010: “Ja, wir spielen im Loser-Final!” – oder auch: Der letzte Tag in Kapstadt

Unser letzter Tag in Cape Town brach an. Aber was tun? Wir hatten keinen Plan, nur eines war uns klar: Es sollte ein toller Tag werden, denn in einer Stadt wie Kapstadt, sollte man keine Minuten ungenutzt verstreichen lassen.
Wir setzten uns ins Auto und fuhren einfach los. Anhalten würden wir, so legten wir uns fest, überall dort, wo es schön ist.
So entdeckten wir in Muizenberg den “Surfer’s Corner”, einen Strand, an dem sich unzählige Surfer in Neoprenanzügen tummelten. Von großen, blonden Sunnyboys über sportliche Mädels bis hin zu kleinen Kindern war alles dabei. Hauptsache raus an die frische Luft, Hauptsache Action- so lieben es die Südafrikaner.

Nachwuchssurfer- sie waren übrigens hin und weg von unserem SonyEricsson-Vivaz, so dass wir ihnen erst mal alle Bilder zeigen mussten :)

Weiter ging es über Nordhoek, wo wir einen gigantischen, wilden Strand entdeckten über den Chapmans Peak (im Reiseführer als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt angepriesen) nach Camps Bay. Den Chapmans Peak sind wir zwar schon mal gefahren, als es zum Kap der guten Hoffnung ging, aber sei es drum- doppelt hält manchmal besser und an manchen Dingen dieser Welt kann man sich einfach nicht satt sehen.

In Camps Bay- auch hier waren wir schon mehrfach, ihr erinnert euch ;-) , genossen wir an der belebten Strandpromenade den Sonnenuntergang bei einem Cocktail. Ein Aperitif sozusagen, denn es galt den Magen zu öffnen für ein reichhaltiges Mahl.

Für den letzten Abend hatten wir uns einen Tisch im Africa Café reserviert, einem typisch afrikanischen Restaurant. 16 kleine Speisen wurden uns gereicht, so dass wir uns durch die ganze kulinarische Vielfalt Afrikas testen konnten. Lecker!

Und hier holten uns die Geschehnisse auch wieder ein: Am Nebentisch saß eine Familie aus Neuseeland mit zwei kleinen Jungs. Als wir sagten, dass wir aus Deutschland kämen, nickte Jamie, der vier Jahre alte, jüngere von beiden wohlwissend. Seine Mutter versuchte hektisch ihn zum Schweigen zu bringen, aber da sprudelte es bereits aus seinem Mund: “Germany, yes I know Germany. Germany lost 0:1 against Spain.” Wir lächelten und hielten uns noch tapfer.

Als wir gehen wollten, wollte uns aber noch eine Angestellte in ein Gespräch verwickeln. “Oh, ihr seid aus Deutschland?” – “Ja, sind wir.”- “Oh, ihr spielt morgen im Verlierer-Finale, nicht wahr?” …

  • Nachwuchssurfer- sie waren übrigens hin und weg von unserem SonyEricsson-Vivaz, so dass wir ihnen erst mal alle Bilder zeigen mussten :)

Und dann war er rum, unser letzter Tag in Kapstadt, nun geht es nach Johannesburg. Zehn Tage Cape Town, wie verflogen. Den Eindruck, den die Stadt gleich am ersten Tag auf mich gemacht hat, hat sie in den folgenden Tagen bestätigt: Kapstadt ist alles. Alles gleichzeitig. Ruhig und hektisch, laut und leise, afrikanisch und europäisch, manchmal auch amerikanisch, arm und reich, weiß und schwarz, fröhlich und trist, laut und leise. An jeder Ecke spürt man hier das Leben in all seinen Facetten.

Im Gedächtnis bleibt vor allem der 4:0- Sieg gegen Argentinien, mein schönster aller schönen Tage in Kapstadt. Wie man WM-Feste feiert, weiß Kapstadt einfach. Es schien,als würde Kapstadt all seine vielfältige Energien bündeln und dann während der Spiele- egal ob im Stadion oder auf den Fan-Festen- explodieren. In meinem Kopf rast eine Achterbahn- so viele Erinnerungen und Eindrücke, so viele Erlebnisse, so viele Menschen. So viele Anekdoten, die ich euch noch erzählen könnte.

Zehn Tage Cape Town waren eine lange Zeit- da ist eben eine Menge passiert. Und doch war es nicht lang genug. Ich glaube, ich muss wieder kommen.

 

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09. Juli 2010: Halbfinale in Durban

Jetzt ist bereits ein wenig Zeit vergangen seit Deutschland sein Halbfinale gegen Spanien verlor und es wurde bereits alles geschrieben, was es dazu zu schreiben gibt. In den letzten zwei Tagen stand mir leider kein Internet zur Verfügung, daher kommt mein Blog ein bisschen später.

Das Halbfinale war trotzdem ein tolles Erlebnis. In Durban wurden wir während unserer Stadttour von allen Seiten angesprochen, uns wurde Glück gewünscht und viele waren auf unserer Seite, wobei ich glaube, dass die meisten Südafrikaner auch Spaniern Glück wünschen, wenn diese vorbeikommen. So sind sie halt, die Südafrikaner. Übrigens ist der meiner Meinung nach am häufigsten genannte Spieler Lukas Podolski. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er so häufig aufs Tor schießt. Ich habe natürlich allen Südafrikanern gesagt, dass Podolski unser bester Spieler ist. Muss ich ja, als FC-Fan. :P

Jedenfalls sah ich so viele Südafrikaner in deutschen Farben. Durch die grandiosen Leistungen zuvor hatten wir definitiv Fans gewonnen, wenn auch Fans, die eher wenig vom Spiel verstehen. Trotzdem ist es toll, wenn so viele Menschen in Deutschlandtrikots herumlaufen.

Vorher war ich noch am Fischmarkt in Durban. Dort konnten wir Fans uns noch abgeschlagene Schafsköpfe und Gedärme einiger Tiere angucken.  Bilder davon kann sich jeder in der Diashow angucken, ich empfehle nur vorher nichts gegessen zu haben.

Trotz dieser unglücklichen Niederlage gehe ich erhobenen Hauptes weiter, weil meine Impressionen hier jede Niederlage wieder ausgleichen und die deutsche Mannschaft klasse gespielt hat.

 

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09. Juli 2010: Frustbewältigung


Die Halbfinalniederlage gegen Spanien schmerzte sehr und saß tief in den Knochen. Um diesem Frust entgegen zu wirken, fuhr unsere Vietentours-Fangruppe in ein Sport-Hotel mitten im Drakensgebirge. Nach einem Tag Aufenthalt war die Niederlage dann schon fast vergessen.

Ich könnte f ast behaupten ich hätte dieses Ergebnis ausgeschwitzt, denn den einen Tag, den ich im Sport-Hotel verbrachte, den wollte ich auch sinnlos nutzen und so lieferte ich mir epische Tennisschlachten im Doppel, spielte auf dem meiner Meinung nach schwierigsten Mini-Golf Platz der Welt, zockte Basketball auf dem schönsten Court Afrikas (Unbedingt Foto anschauen!) und zog mir böse Schürfwunden beim Beachvolleyball zu, da der Sand nicht so tief wie erwartet war.

Für einen Sportfanatiker wie mich war das genau die richtige Abwechslung nach der Frustration und auch die meisten anderen Fans schienen sich entweder über die Sportmöglichkeiten oder den traumhaften Ausblick auf die Berge zu freuen.

Das absolute Highlight war dann der erste Helikopter-Flug meines Lebens. Im Video seht ihr mich mit einem großen, breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Jetzt kann das Spiel um den dritten Platz kommen.

 

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