
Die anderen Zuschauer, die eben nicht aus Holland oder Spanien kamen, hatten mehr Ruhe, um die grandiose Abschlusszeremonie zu genießen. Was die Südafrikaner da gezaubert hatten, war wundervoll und so passend- die Farben, das Licht, alles spiegelte die WM wirklich so wider, wie sie war. Die beiden emotionalen Höhepunkte dieser Feier waren schnell ausgemacht: Zum Einen war da Shakiras Auftritt.
Waka Waka- wie oft wir diesen Song gehört hatten! Überall, bei jeder Gelegenheit schallt er durch die Straßen. Und gestern abend dann ein letztes Mal durch Soccer City. 84000 Menschen standen auf und tanzten jubelnd mit. Waka Waka riss alle von den Sitzen. Ob jung oder alt, ob einander fremd oder nicht- all das spielte keine Rolle. Man tanzte in den engen Sitzreihen so gut man nur irgendwie konnte.
Schließlich wurde die Zeremonie für beendet erklärt. Als plötzlich der zweite Höhepunkt folgte. Nelson Mandela wurde über den Rasen gefahren. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich hier erlebt habe. Menschen um mich herum fingen an zu weinen, andere jubelten, winkten, tröteten in ihre Vuvuzelas. Dass Mandela gekommen war und sich allen zeigte, war für die Menschen ein Geschenk, dass nicht hätte größer ausfallen können. Man kann es schlecht beschreiben, aber man hat einfach gefühlt, wie unendlich wichtig dieser großartige Mann für jeden Südafrikaner ist.
Die holländischen Fans waren ganz deutlich in der Überzahl, sie stimmten Sprechchöre an und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Es hat nichts genutzt. Nach 120 Minuten stand der neue Weltmeister fest. In den Gesichtern der holländischen Fans stand die Enttäuschung geschrieben und ich fühlte mit ihnen mit. Untröstlich waren sie, verständlich. Dennoch- die folgenden Bilder live zu sehen, war einfach klasse. Die Spanier, wie sie über den Platz tobten, die spanischen Fans, wie sie auf den Rängen ihr Glück kaum fassen konnten. Auf der Tribüne, auf der ich gesessen habe, wurde dann der Pokal übergeben, der Goldregen kam über uns allen herab. Es waren einmalige Eindrücke.
Ich glaube, ich kann das gar nicht so wiedergeben, wie es war- auch nicht durch noch mehr Worte, Bilder oder Videos. Aber ich habe wirklich jede Sekunde dieses Abends in meinem Herzen, weil es einfach so wundervoll war.
64 Spiele wurden einen Monat lang ausgetragen, um ihn zu finden, diesen Sieger. Spanien ist erstmals Weltmeister und das bei der ersten WM in Afrika. An diesem Abend wurde ein Stückchen Fußballgeschichte geschrieben und ich war dabei.
Rund um das Stadion ist nämlich- nichts. Keine einzige Fankneipe, kein Bierstand, kein Souvenirstand. Möglichkeiten, gemeinsam zu feiern, gemeinsam den Titel mit anderen den Titel zu bejubeln? Null.
Schlimmer noch: Man muss einfach zusehen, dass man es irgendwie schafft, so schnell es geht, vom Stadion wegzukommen. Denn die Infrastruktur rund um das großartige Stadion ist erbärmlich. DIe Transportmöglichkeiten sind spärlich gesäht und daher mehr als überlastet. Zudem gibt es einfach niemanden, der wirklich einen Überblick hat. Ganz gleich ob Volunteers oder sogar Polizisten- keiner kann einem den Weg weisen im Chaos, das natürlich von Minute zu Minute größer wird. Immer mehr Menschen brüllen wütend in ihre Handys, versuchen sich über ihren Standort klarzuwerden, rennen hektisch, plan- und ziellos durch die Gegend. Chaos- es gibt kein Wort, dass es besser beschreibt. EIn Chaos, aus dem man sich nur selbst befreien kann, denn wir gesagt- es gibt niemanden, wirklich niemanden, auf dessen Auskunft Verlass sein könnte. Stattdessen Ankündigungen wie: Ab 6.20h in der Früh fahren wieder Busse.
Glücklicherweise hatte unsere Unterkunft an diesem Abend einen Shuttle-Service. Doch wie gesagt- dieses Shuttle zu finden war fast unmöglich. Es klappte schließlich, nach über zwei Stunden, in denen wir einfach nur durch Gegend geirrt sind. Es war kalt, wir waren so müde, die Füße taten weh. Und doch. Es war ein fantastischer Abend. Es war das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft.
PS: Mein persönliches Finale steht erst noch bevor. Ich habe noch 4 Tage, ehe es zurück nach Deutschland geht. Auch wenn die WM vorbei ist und ich sicher nicht mehr auf sonderlich viele Fans stoßen werde- ich melde mich in den kommenden Tagen nochmal bei euch!











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Unglaublich wie die Spanier gefeiert haben. Kann ich aber verstehen. Sie haben meiner Meinung nach verdient gewonnen. Nach dem Europameistertitel jetzt nun auch noch der Weltmeistertitel