12. Juli 2010: Final-Blog XXL

Als mein Sony-Ericsson-Vivaz klingelte, um mich morgens zu wecken, schaute ich auf das Display und erschrak: 8.00h- 11.07.2010. Das Datum- seit Monaten war dieses Datum Synonym für den Tag, auf den alle Fußballfans vier Jahre lang gewartet haben. Und nun brach dieser 11. Juli, dieser Finaltag, an.
Dass der Tag so gut verlief, haben wir auch Khaya Media zu verdanken. Khaya Media, die Journalisten aus aller Welt bei der Organisation des Südafrika-Aufenthalts unterstützen, organisierten nicht nur ein Finalticket für mich. Sie sorgten auch dafür, dass wir sicher und rechtzeitig zum Stadion kamen. Angesichts der Tatsache, dass wir sehr weit außerhalb wohnen und Transport hier eigentlich nicht existiert (dazu später mehr…) war das einfach unschätzbar hilfreich für uns. Danke euch, liebe Khaya-Leute!

Bewegende Momente
Und dann ging es los. Soccer City erstrahlte im Sonnenuntergang. Man spürte, dass das, was an diesem Abend geschehen würde, außerordentlich sein würde. WM-Finale eben. Die ganze Welt schaute an diesem Abend auf diesen grünen Rasen. Die Fans beider Mannschaften waren dementsprechend aufgeregt.

Während mir viele holländische Fans erklärten, dass sie sich ein Finale gegen Deutschland gewünscht hätten, befanden die Spanier eher, dass Deutschland ja schon drei WM-Titel habe. Jetzt sei mal wer anders dran. Naja. Jedenfalls waren die Fans mit ihren Gedanken längst beim Spiel.

Die anderen Zuschauer, die eben nicht aus Holland oder Spanien kamen, hatten mehr Ruhe, um die grandiose Abschlusszeremonie zu genießen. Was die Südafrikaner da gezaubert hatten, war wundervoll und so passend- die Farben, das Licht, alles spiegelte die WM wirklich so wider, wie sie war. Die beiden emotionalen Höhepunkte dieser Feier waren schnell ausgemacht: Zum Einen war da Shakiras Auftritt.

Waka Waka- wie oft wir diesen Song gehört hatten! Überall, bei jeder Gelegenheit schallt er durch die Straßen. Und gestern abend dann ein letztes Mal durch Soccer City. 84000 Menschen standen auf und tanzten jubelnd mit. Waka Waka riss alle von den Sitzen. Ob jung oder alt, ob einander fremd oder nicht- all das spielte keine Rolle. Man tanzte in den engen Sitzreihen so gut man nur irgendwie konnte.

Schließlich wurde die Zeremonie für beendet erklärt. Als plötzlich der zweite Höhepunkt folgte. Nelson Mandela wurde über den Rasen gefahren. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich hier erlebt habe. Menschen um mich herum fingen an zu weinen, andere jubelten, winkten, tröteten in ihre Vuvuzelas. Dass Mandela gekommen war und sich allen zeigte, war für die Menschen ein Geschenk, dass nicht hätte größer ausfallen können. Man kann es schlecht beschreiben, aber man hat einfach gefühlt, wie unendlich wichtig dieser großartige Mann für jeden Südafrikaner ist.

Tränen der Sieger, Tränen der Verlierer
Aber dann sollte es schließlich endgültig losgehen. Das Spiel wurde angepfiffen und die Atmosphäre überwältigte glaube ich alle. Es waren keine besonders lauten Gesänge oder ähnliches, dass das Spiel so besonders machte. Es war glaube ich viel mehr das Bewusstsein, dass es das WM-Finale ist, dass jeden bewegte.

Die holländischen Fans waren ganz deutlich in der Überzahl, sie stimmten Sprechchöre an und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Es hat nichts genutzt. Nach 120 Minuten stand der neue Weltmeister fest. In den Gesichtern der holländischen Fans stand die Enttäuschung geschrieben und ich fühlte mit ihnen mit. Untröstlich waren sie, verständlich. Dennoch- die folgenden Bilder live zu sehen, war einfach klasse. Die Spanier, wie sie über den Platz tobten, die spanischen Fans, wie sie auf den Rängen ihr Glück kaum fassen konnten. Auf der Tribüne, auf der ich gesessen habe, wurde dann der Pokal übergeben, der Goldregen kam über uns allen herab. Es waren einmalige Eindrücke.

Ich glaube, ich kann das gar nicht so wiedergeben, wie es war- auch nicht durch noch mehr Worte, Bilder oder Videos. Aber ich habe wirklich jede Sekunde dieses Abends in meinem Herzen, weil es einfach so wundervoll war.

64 Spiele wurden einen Monat lang ausgetragen, um ihn zu finden, diesen Sieger. Spanien ist erstmals Weltmeister und das bei der ersten WM in Afrika. An diesem Abend wurde ein Stückchen Fußballgeschichte geschrieben und ich war dabei.

Lost in Soccer City
Schade nur, dass weder wir, noch die spanischen Fans, noch überhaupt jemand, diesen Abend so hätte zu Ende gehen lassen können, wie es eigentlich angemessen gewesen wäre. Solange man in SoccerCity drin ist, ist alles fantastisch. Doch dann heißt es nur: Weg von hier.

Rund um das Stadion ist nämlich- nichts. Keine einzige Fankneipe, kein Bierstand, kein Souvenirstand. Möglichkeiten, gemeinsam zu feiern, gemeinsam den Titel mit anderen den Titel zu bejubeln? Null.

Schlimmer noch: Man muss einfach zusehen, dass man es irgendwie schafft, so schnell es geht, vom Stadion wegzukommen. Denn die Infrastruktur rund um das großartige Stadion ist erbärmlich. DIe Transportmöglichkeiten sind spärlich gesäht und daher mehr als überlastet. Zudem gibt es einfach niemanden, der wirklich einen Überblick hat. Ganz gleich ob Volunteers oder sogar Polizisten- keiner kann einem den Weg weisen im Chaos, das natürlich von Minute zu Minute größer wird. Immer mehr Menschen brüllen wütend in ihre Handys, versuchen sich über ihren Standort klarzuwerden, rennen hektisch, plan- und ziellos durch die Gegend. Chaos- es gibt kein Wort, dass es besser beschreibt. EIn Chaos, aus dem man sich nur selbst befreien kann, denn wir gesagt- es gibt niemanden, wirklich niemanden, auf dessen Auskunft Verlass sein könnte. Stattdessen Ankündigungen wie: Ab 6.20h in der Früh fahren wieder Busse.

Glücklicherweise hatte unsere Unterkunft an diesem Abend einen Shuttle-Service. Doch wie gesagt- dieses Shuttle zu finden war fast unmöglich. Es klappte schließlich, nach über zwei Stunden, in denen wir einfach nur durch Gegend geirrt sind. Es war kalt, wir waren so müde, die Füße taten weh. Und doch. Es war ein fantastischer Abend. Es war das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft.

PS: Mein persönliches Finale steht erst noch bevor. Ich habe noch 4 Tage, ehe es zurück nach Deutschland geht. Auch wenn die WM vorbei ist und ich sicher nicht mehr auf sonderlich viele Fans stoßen werde- ich melde mich in den kommenden Tagen nochmal bei euch!


 

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Eine Antwort zu “Final-Blog XXL”

  1. Sonja sagt:

    Unglaublich wie die Spanier gefeiert haben. Kann ich aber verstehen. Sie haben meiner Meinung nach verdient gewonnen. Nach dem Europameistertitel jetzt nun auch noch der Weltmeistertitel :)

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